28.08.2015

Blutabnahme und Schnittwunden. Zuviel Blut in einer Woche.

Am vergangenen Sonntag, als wir noch in Polen war, griff Christin in einen Nassrasierer. Über vier Stunden blutete es wie Sau, ich hielt den kleinen Finger mit Druck zusammen, damit das Blut nicht weiterfloß. Mein kleines Mädchen war vollkommen überfordert und bettelte, dass sie schlafen möchte. Den ganzen Tag gab es kein anderes Thema mehr. Mittlerweile, auch nach einem Arztbesuch, ist die Wunde sehr gut verheilt. Wir besprühen diese bei jedem Pflasterwechsel mit Octenisept und es "ist schon besser", sagt mein  Mädchen. 

Als wenn dieser Schock nicht gereicht hätte, haben wir bei dem Arztbesuch auch direkt mal Pauline vorgestellt, die auch seit Sonntag heiser war und etwas Halsschmerzen hatte. Beim Blick in den Rachen schrak der Kinderarzt zurück und rief "Was ist das denn? Schauen Sie mal!" und meinte mich. Ich blickte ihn verdutzt an und konnte nicht wirklich nachvollziehen, was er von mir wollte. "Hat sie was gegessen?" Ja, einen Keks vor einer halben Stunde. "Na, dann wird das noch der Keks sein." 
Ein Keks im Hals? Eine halbe Stunde lang? Bei der Vorstellung daran, dass mir so eine lange Zeit irgendwas im Rachen steckt und mich nicht stört, war ich mir sicher, dass es das nicht sein kann. Und gerade Pauline, die so extrem schmerz- und gefühlsempfindlich ist, hätte schon längst etwas gesagt. Wir ließen sie also etwas trinken, der Arzt schaute erneut und vermeldete nur "Nein, es war nicht der Keks." 
Aber was ist es sonst? Skeptisch überlegte der Arzt, machte einen Rachenabstrich und fand heraus, dass es schon mal keine Bakterien sind. Abwarten also, etwas virales vielleicht. Nach nur einem Tag zu Hause also Kindergartenkrankenschein fürs große Kind. Wenn es von alleine wieder weg geht, dann ist gut, wenn es schlimmer wird, sollen wir wieder kommen. Das war Dienstag. 

Mittwoch blieb die lange entspannt. Die Stimme war weiterhin sehr heiser mit einigen Komplettausfällen. Donnerstag stand Pauline morgens mit leicht geschwollenen Lippen auf. Die Innenseiten der Lippen waren von weißem Belag bedeckt, wie auch die Innenwangen und die Zunge. Also eigentlich alles. Der Hals schmerzte weiterhin, die Zähne taten etwas weh. Ab zum Arzt. 

Mittlerweile ging Pauline diese Situation auf den Senkel. Man muss sich meine Tochter so vorstellen, dass sie NIEMALS im Leben ein Pflaster nutzen würde, auch nicht bei der größten Wunde. Bei einer Schürfwunde weint sie mindestens drei Stunden und der Tag ist gelaufen. Und wenn sie einen Splitter hat, muss man sie mit drei Leuten festhalten (und aufpassen, dass man nicht gebissen wird), während der vierte den Splitter entfernt. Dabei haben wir natürlich alle gängigen Tricks probiert. Bestechungen - egal welcher Art - fruchten nicht. "Ich will nichts und ich brauche nichts" ist dann die Antwort und sie meint es auch genau so. 

Diese Pauline war nun mittlerweile ziemlich steptisch. Bisher ist noch nichts passiert, aber man merkte ihr an, dass sie nicht mehr lange ruhig bleiben würde. Beim Arzt angekommen gings los: Mund auf - erschrecken - Mund zu - Rätseln. 

Mundsoor. Ein Pilz. Kommt bei so großen Kindern eigentlich nicht vor. Also eigentlich gar nicht. Warum hat sie das? In meinem Kopf laufen viele Filme parallel, der Arzt sagt: "Ich verschreibe Ihnen ein Gel gegen den Pilz. Aber wir müssen noch Blut abnehmen."

Klatsch.

Blut abnehmen. 

Diese "Alltags"-Situation, vor der ich mich in den letzten Jahren fast mit am meisten gefürchtet habe , sollte nun also eintreten. Meiner Tochter sollte eine Nadel in den Arm geschoben werden. Ich erinnere mich an ihre ersten Tage auf der Welt, wo man ihr aus dem Kopf und den klitzekleinen Venen Blut abgenommen hat und ich einfach nur geheult habe. Das ist nun fünf Jahre her und jetzt sollte es wieder passieren. In leichter Schockstarre schaute ich mein Kind an, dass mich nur mit großen Augen ansah. 

Es ist vielleicht wie bei Hunden, ich weiß es nicht. Aber vielleicht spürte sie es. Ja, ich hatte riesen Angst. Weil ich weiß, wie sie ist. Weil ich weiß, dass sie keinen Schmerz ertragen kann. Weil ich weiß, dass sie sich die schlimmsten Gedanken in ihrem kleinen zu kreativen Kopf ausdenkt. Schon seit Ewigkeiten. Wir haben alles versucht, haben unendlich viel geredet. Sie kann es einfach nicht. Wenn Sie Blut sieht, dreht sie durch. Wenn Sie sich verletzt, braucht Sie stundenlang einen Kühlakku.

Ich redete also mit ihr, versuchte ihr die Lage zu schildern. Offen, ehrlich aber trotzdem ohne Angst zu vermitteln. Natürlich wollte sie nicht, natürlich fing sie an zu weinen. Wir versicherten Ihr, dass wir es auch nicht wollten, aber manchmal Dinge nunmal gemacht werden mussten. Ich erklärte Ihr, warum der Arzt ein Arzt ist und dass er sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern zu helfen, die krank geworden sind. Helfen. Nicht quälen. 

Es half alles nicht. Sie schrie, trat, biss, schlug, bettelte und flehte. Am Ende weinten wir beide, die Blutabnahme wurde abgebrochen und zurück blieben wir beide, vollkommen fertig. 

Der Arzt sagte mir, dass wir den Pilz behandeln sollten, jedoch bei jeder kleinsten Veränderung direkt noch mal kommen sollten. Und, dass die Blutabnahme eigentlich sehr wichtig sei aber das so keinen Sinn mache. 

Wir gingen nach Hause, sprachen immer mal wieder davon. Ich kam zu dem Resultat, dass das einfach alles zu schnell gegangen ist. Sie sich nicht vorbereiten konnte und somit den Aussetzer bekommen hat. Wenn ich sie einen Tag darauf vorbereiten würde, dann würde es sicher besser gehen. 

Ich sprach mit meinem Mann und wir entschieden, dass wir es am nächsten Morgen gemeinsam noch einmal versuchen würden. Ich hatte also fast einen ganzen Tag, um Pauline darauf vorzubereiten. Ich erzählte ihr davon, warum das Blut so wichtig ist, was passiert, wenn man Blut abnimmt. Ich sagte ihr, wie lange es dauern würde und was sie sich danach alles beim Bäcker oder sonstwo aussuchen dürfte. Natürlich beharrte sie weiterhin darauf, es nicht noch einmal zu versuchen. Jedoch ließ ich es nicht zu Diskussion, ob wir es versuchen oder nicht. Abends, als sie dann im Bett lag, verriet sie mir, dass sie schreckliche Bilder im Kopf hat. Eine riesengroße Nadel durchbohrt ihren Arm, das ganze Blut aus ihrem Körper spritzt heraus, so dass sie nichts mehr hat. Sie dachte, dass alles Blut aus ihr herausgezogen wird. Meine kleine Maus mit ihrer grenzenlosen Phantasie. 

Als sie dann schlief googelte ich etwas und fand eine Betäubungscreme, die bei Blutabnahmen eingesetzt werden konnte. Schweineteuer, nicht wirklich zuverlässig aber ein Versuch wert. Die Bewertungen gingen sehr auseinander, aber ich hoffte auf einen psychologischen Effekt. Und, dass sie zumindest kurz still hielt, damit der Arzt das Blut bekommen konnte. 

Ich fuhr heute morgen also um Punkt 8 zur Apotheke, kniff bei dem Betrag beide Augen zu, fuhr schnell zurück nach Hause, setzte das Kind vor den Fernseher und schmierte ihre Hand mit der "Zaubercreme" ein. Eine Stunde Einwirkzeit, nicht bewegen. Nach einer halben Stunde fing es an zu kribbeln, sie wollte alles wieder weg machen. Wir quasselten auf sie ein und konnten es eine Stunde aushalten. 

Nun schnell zum Arzt, zum Glück mussten wir nicht lange warten und wurden mit einem skeptischen Lächeln begrüßt. Der Arzt schaute sich die betäubte Hand an, in die er auch gestern kurz gestochen hat und sagte "Oh, ich muss wohl die andere Hand nehmen, da ist ein kleiner blauer Fleck!" 
Schockstarre! Nur auf der einen Hand war die Creme drauf gewesen, ich hatte da auch nicht wirklich einen blauben Fleck wahr genommen. Während ich sprachlos meinen Mann ansah, sagte Pauline zum Arzt "Nein, aber auf der Hand ist doch die Zaubercreme drauf!"

Ich erklärte, der Arzt fragte, bis wohin ich eingeschmiert habe und er versuchte die Vene daneben. Pauline saß ruhig auf meinem Schoss, vergrub ihren Kopf in meinen Hals, schrie fürchterlich, aber bewegte sich nicht. Mehr war nicht zu erwarten. Eine große Verbesserung. Sie sagte, dass es trotzdem sehr weh tue, ich denke auch, dass die Betäubung auf dieser Stelle nur sehr grenzwertig angekommen sein mag. 

Als alles vorbei war, fiel uns allen ein Stein vom Herzen. Mein Mann packte schnell die mitgebrachten Kühlakkus aus, wir verweigerten das Pflaster und drückten mit Hand und  Tuch und schon eine Minute später lächelte Pauline wieder, als die Sprechstundenhilfe fragte, ob sie sich nun beim Bäcker etwas mit Schokolade oder Zuckerguss aussuchen würde. Während Pauline überlegte, antwortete die Dame "Ich würde sagen, du nimmst einfach beides, eins für jetzt und eins zum Nachmittag!" Großes Lachen auf Kinderseite. 

Den restlichen Tag war die Blutabnahme kein Thema mehr. Wie gewohnt kühlte Pauline ihre "verletzte Hand" mehrere Stunden, genoß ihre Sonderstellung beim Stadtbummel und hüpfte lachend durch die Stadt. 

 

Ich hab nun also genug vom Thema Blut. Na, eigentlich reichts der ganzen Familie. 

Tags: Familenchaos

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