28.04.2015

Wenn ich könnte wie ich wollte... wäre ich Hausfrau und Mama

Als ich vor fast fünf Jahren zum ersten Mal Mama wurde, war ich felsenfest davon überzeugt, dass dieses "working mum"- Ding genau MEIN Ding ist. Ich hatte ja schließlich nicht studiert und das alles gemacht, um dann mit Kindern zu Hause zu versauern. Außerdem wollte ich "raus unter Leute", "nicht nur zu Hause sitzen", "auch was für mich machen" und dieses ganze blablablubb, was man ständig hört und den eigenen Mund verlässt. Natürlich wusste ich auch, dass es schwer sein würde: es passt nicht immer unter einen Hut und Alternativen sind unausweichlich. Ich stellte mich aber geistig darauf ein, so gut es eben ging. Und behauptete dabei weiterhin steif und fest, dass es genau das richtige für uns ist - und das unabhängig vom Finanziellen.

Ich ging weiter arbeiten, weil ICH das wollte. Ich wollte unbedingt beweisen, dass es problemlos möglich ist, Arbeit (mit Pendeln), Kind, Haus und Hobby zu vereinen und glücklich damit zu sein. Klar, ich musste auch arbeiten gehen und muss es heute immer noch, weil wir sonst nach einer gewissen Zeit in ziemliche Geldprobleme gekommen wären. Von einem Gehalt leben und das mit eigenem Haus geht bei uns leider nicht auf.

Da steh ich nun also knapp fünf Jahre später. Mit zwei kleinen Mädchen, meinem Mann und meinem Haus, drei Katzen und vielen Metern Stoff. Wenn ich die Frage des Glücklichseins beantworten müsste, würde ich lange nachdenken müssen. Was ist Glück eigentlich? Im Grunde bin ich glücklich, weil uns die wichtigsten Dinge im Leben gegeben sind: Ein Dach, Essen und Trinken und vor allem Gesundheit. Dazu noch der Luxus, sich Dinge leisten zu können, die man eigentlich nicht braucht. Also ja. Eigentlich bin ich glücklich. Nur Zufrieden - das könnte es eher treffen. Zufrieden bin ich eigentlich nicht.

Ich bin nicht zufrieden, weil ich rastlos bin. Weil ich mich ständig hin- und hergerissen fühle zwischen meinen Rollen. Ich komme nicht zu Ruhe, mein Kopf arbeitet die ganze Zeit. Nachts schlafe ich schlecht ein, weil es einfach nicht aufhört: "Was muss ich noch machen? Haben wir noch Spülmittel? Ich muss die Präsentation noch abändern. Morgen müssen wir zum Turnen! Mist, ich hab die Turntasche nicht gepackt. Wir haben kein Gemüse mehr. Und der Buggy ist nicht im Auto. Muss ich morgen früh machen. Das Paket muss zur Post, wo ist es? Und wo ist das Buch für die Arbeit? Ich hab den Text nicht gelesen? Drei Mails müssen noch beantwortet werden! Wo ist eigentlich mein Schlüssel? Scheiße, das Geburtstagsgeschenk für den Freund ist noch nicht bestellt und in 2 Tagen ist die Party! Wo ist mein Handy?! Ich muss es jetzt bestellen..."

So ungefähr läuft es in meinem Kopf ab und ich kann selbst schlecht abschalten. Das ist das Resultat dieser Doppelbelastung oder der Zusammenführung von Arbeit und Kindern. Immer habe ich das Gefühl, etwas zu vergessen. Ich war nie wirklich schlecht darin, Dinge im Kopf zu behalten. Seitdem ich Kinder habe, vergesse ich ständig alles. Ich schreibe mir Einkaufszettel und vergesse diese dann auf dem Tisch. Klingt witzig. Ist es aber nicht. Denn es ist nicht einmal passiert, sondern ist bei mir mittlerweile ziemlich wahrscheinlich geworden. Und wenn ich ihn doch einpacke, dann ist er entweder in der falschen Jackentasche oder ich habe ihn verloren. Kopflos könnte man mich bezeichnen. Und es würde zutreffen.

Da steh ich also mit meinen tausend Aufgaben. Mein Haus gibt mir täglich mehr Aufgaben, als ich bewältigen kann. Es reicht ein kurzes Abendessen mit Kindern in einer frischgeputzen und auf hochglanz polierten Küche und  danach es siehtschlimmer aus denn je. Ich steh dann da, bestaune das Chaos und bin sprachlos. Ich frage mich nur "Wie kann das sein? Wieso muss das so sein? Es war vor ein paar Minuten doch noch alles so schön hier..." und resigniere.

Resignation ist das, was ich mittlerweile fühle. Ich liebe meine Kinder mehr als mein Leben. Ich bin dankbar für Gesundheit und unseren kleinen "Wohlstand". Aber ich wäre froh, wenn ich nicht arbeiten müsste. Ich wäre zufriedener, wenn ich zu Hause sein könnte. Wenn ich mein Leben - unser Leben - geordneter Leben könnte. Wenn nicht ständig alle Zimmer verwüstet wären, in jeder Ecke Dreck und Unordnung herrschen würde obwohl ich erst alles geputzt habe. Wenn nicht die Schränke im Chaos versinken würde, weil alles aus Zeitmangel einfach nur reingestopft wird.
Wenn ich mal ZEIT hätte. Für mich, für mein Haus, für meine Kinder, für meinen Mann.

Tja, wäre heute der "Wünsch-dir-was"-Tag, würde ich mir wünschen, die finanziellen Mittel zu haben um Hausfrau und Mutter sein zu können. Um mich meiner Familie im vollem Maße widmen zu können, ohne das immer jemand zurück stecken müsste.

Diese hochgelobte Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf ist eine Lüge. Eine Lüge, die in unserer heutigen Gesellschaft bestand hat, weil sie bestand haben muss. Vielleicht ist es auch mehr als eine Lüge. Vielleicht ist es eine Rechtfertigung, ein Grund oder die eigene Legitimation um weiter zu machen. Man liest überall davon. Alle reden davon, dass sich diese beiden Faktoren vereinen lassen und das alles (?) dafür getan wird. Wie stände ich denn dann da, wenn ich als einzige sagen würde "Nein, ich kann das nicht! Nein, man kann es nicht vereinbaren, ohne Abstriche zu machen. Ohne sich selbst zu opfern. Ohne rastlos zu werden!"

Ich wäre die einzige weit und breit und käme mir blöd vor. Man vermittelt mir das Gefühl, dass alle es machen und alle es können. Nur ich fühle mich nicht danach, kann es nicht - muss es aber können.

Die Moral der Geschichte ist, dass ich weiter machen werde und weiter machen muss, eine Wahl ist mir nicht erlaubt. Denn ich habe mich damals für die Kinder entschieden und wusste, dass diese nur in Kombination mit der Arbeit haben kann. Also entweder Arbeit ohne Kinder oder Arbeit und Kindern. Nur Kinder geht nicht.

 

Tags: me, I & myself

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Kommentare

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Am 13.05.2016 22:03 Uhr schrieb Nicole:
Hallo! Ich verstehe Dich so gut. Ich bin zwar nur einfache Mutter, habe dafür aber die ganze Zeit neben meiner halben Stelle meine Doktorarbeit schreiben müssen. Als meine Tochter quasi vier war, war dann endlich alles unter Dach und Fach. Mal davon abgesehen, dass das wirklich ein furchtbares, Gesundheits-zerstörendes Ding war und ich trotzdem nicht weiter kommen konnte, weil man einfach mit so einer halben Stelle nicht viel reißen kann, habe ich unter dieser Zerrissenheit zwischen Kind und Arbeit total gelitten. Ich kann auch nicht arbeitsmäßig viel Druck haben und dann zu Hause einfach alles vergessen und nett mit meinem Kind spielen. Zumal ja auch wirklich noch alle Haushalts- und Gartenarbeiten mal irgendwann gemacht sein wollen. Mich macht dieser Anspruch, was eine moderne Frau mal eben so alles perfekt hinkriegen soll und dass sie dabei nicht jammern, sondern machen soll (ich spiele auf diese Amerikanerin mit ihrem Buch an), wirklich wütend. Es ist ja nicht so, dass wir nicht versuchen, zu machen, aber bei der ein oder anderen reicht die Kraft halt auch einfach einfach irgendwann nicht mehr. Ich meine, ich sehe auch andere, bei denen das besser klappt oder es zumindest so scheint. Und ich kenne auch Mütter, die wirklich arbeiten gehen wollen, und das sollen sie auch gerne tun dürfen, aber mich nervt diese Normierung so. Und dass bei der gesellschaftlichen Debatte keine Rücksicht darauf genommen wird, dass es auch Kinder gibt, denen man keinen Gefallen tut, wenn man sie früh und lang in den Kindergarten gibt (so bei meiner Tochter, die einfach zu schnell reizüberflutet ist). Aber es sollen ja bloß alle bloß schnell wieder arbeiten gehen ... Kann nicht jede(r), wenn es finanziell klappt, das tun, was er/sie will oder gerade braucht? Nachdem ich wirklcih jahrelang ernsthaft Angst um meine Gesundheit hatte und das als Mutter einfach noch mal ein anderes Ding ist als ohne Kind, habe ich auf jeden Fall die Reissleine gezogen. Ich habe vor einem halben Jahr aufgehört zu arbeiten (wir hoffen, finanziell rum zu kommen, aber ich glaube wirklich, dass ich sonst nicht alt geworden wäre). Diese Entscheidung war wirklich nicht leicht, aber ich bin sehr dankbar, dass es jetzt geht. Es ist so schade, wenn man zwar die Kindheit der Kinder mitbekommt, aber nicht genießen kann. Vielleicht kommt ja bei Euch irgendwann auch mal der Punkt, wo Du für eine paar Jahre einfach "nur" Mutter sein kannst. Vielleicht könnte jetzt für den Anfang ja auch alle zwei Wochen mal eine Putzfrau kommen (mir hat es auch weh getan, aber für das Geld gibt es letztlich nur Materielles, also jetzt nichts gegen Materielles, aber wenn der Frust mal depressive Ausmaße angenommen hat, dann doch lieber etwas Materielles weniger und etwas Zeit und Kraft mehr). Das hat mich damals aus der totalen Resignation gerettet. Gib auf jeden Fall nicht auf. Das alles ist wirklich seeeehr viel und es nicht gut, dass das oft so ignoriert wird. Liebe Grüße,
Nicole

Am 02.05.2015 14:05 Uhr schrieb Dörte:
Hallo... auch ich gehöre zu den rastlosen, immer arbeitenden 2-fach-Müttern (Alleinerziehend), die sich manchmal fragt, wie die "perfekten" Mütter ihren Alltag bestreiten... Ich glaube, das ist nach aussen hin nur Schein und in Wirklichkeit lebt in denen auch das Chaos oder sie haben eine Haushaltshilfe und sagen es nicht... Diese Vorstellungen (ob sie stimmen oder nicht)reichen mir jedenfalls aus, wenn ich vor einem Wäscheberg, Terminkalender und Einkaufszettel sitze, um zu wissen, das es niemals eine perfekte Mutter gibt, die nebenbei auch noch arbeitet. Wer gibt auch schon gerne zu, das sein unbeschwertes, spontanes, zeitloses Leben nicht mehr das ist, was es mal war, wenn Kinder da sind? (Ich muß mir zum Beispiel abends einen Zettel neben das Bett legen um das ablaufenden Band in meinem Kopf zu notieren, damit ich auch bloß nichts am nächsten Tag vergesse:-)...
Herzliche Grüße... und versucht euer Leben so zu leben, das es euch und den Kindern gut geht!

Am 28.04.2015 09:54 Uhr schrieb sandra:
DANKE - für diesen Eintrag. Das spiegelt so ziemlich genau das wieder was ich jeden Tag denke. Bin selbst pendelnde, 3-fach 'working mum'. Es ist ein toller Ausgleich aber ein ungeheurer Stressfaktor. Und dann kommen noch die 'Kind krank-tage' und das schlechte Gewissen hinzu. Alles nicht so einfach. Den Einkaufszettel vergess ich übrigens auch immer, deshalb fotografier ich ihn nach Fertigstellung mit dem Handy...das ist ja immer dabei um für Notfälle erreichbar zu sein.
Du bist mit Sicherheit nicht die einzige, die diese Vereinbarkeit anzweifelt und daran verzweifelt...es traut sich nur keiner was zu sagen.


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Overall core-runtime was '0.1914' seconds