26.03.2014

Dieses "Gute-Mutter"-Ding

Ich behaupte jetzt mal kühn, dass jede Mama sich irgendwann mal fragt, ob sie gut darin ist, das zu sein was sie ist: Ist man eine gute Mutter?

Schon bevor ich überhaupt das erste mal schwanger war, hatte ich ein bestimmtes Mutterbild im Kopf - so, wie ich irgendwann mal sein wollte. Ziemlich schnell begriff ich dann nach Paulines Geburt, dass das reine Fiktion war. Der will-Zustand ist so vollkommen unterschiedlich vom ist-Zustand und erst recht vom gesellschaftlichen soll-Ideal: immer konsequent sein, damit fängt es zum Beispiel schon an. Wie unglaublich schwer es ist, bei diesen riesigen brauen Rehaugen konsequent zu bleiben, erfuhren sowohl mein Mann und ich mehr als einmal. Man knickt ein, gibt dann doch nach. Und das Herz wird warm, wenn man erkennt, welch große Freude man seinem Kind soeben gemacht hat. 

Aber ich schweife ab. 

Gute Mutter also. Tja. Wie soll die überhaupt sein? Zum Glück gibt es da keine standardisierte Mama, der wir alle hinterher hecheln müssen, keine gesellschaftliche Norm, die wir erreichen müssen. Aber wir haben selbst unser Ideal im Kopf, wie wir sein und was wir schaffen wollen- dann ist man eine gute Mutter, oder? 

Wenn das mal so einfach wäre. 

Bis vor einem Jahr hätte ich noch blind unterschrieben, dass ich eine gute Mama bin. Keine perfekte, aber eine, die alles gibt und dafür auch die Lorbeeren erntet. So eine wollte ich sein: ordentlich, aber nicht penibel. Lustig und albern, aber nicht kindisch. Verantwortungsvoll und nur ein wenig leichtsinnig. Eine Mama und keine beste Freundin. Ein Vorbild zum Nachahmen und kein gleichgestellter Spielkamerad. Eine helfende Hand, eine Geschichtenerzählerin, eine Beschützerin… eben eine liebevolle Mutter. 

All das wollte ich sein, all das habe ich probiert und es war auch erfolgreich. 

Bis die Schwester kam.

Nun ist nichts mehr wie es war. Die sog. kleinkindliche Trotzphase hat ihren Höhepunkt erreicht (und ja, das habe ich schon so verdammt oft gedacht. Als es mit einem Jahr begann und immer schlimmer wurde, dachte ich mit zwei Jahren, dass es nicht mehr schlimmer geht. Ich habe mich getäuscht) und ich frage mich, wohin das noch gehen soll. Seit heute ist es ganz offiziell: ich habe keine Kraft mehr und ich bin - ich kann keine gute Mama mehr sein. Meine Nerven sind ausgereizt, meine Energie ist aufgebraucht, mein Reden findet keinen Zuhörer, meine Bitten werden ignoriert. Und dabei habe ich alles probiert, was die pädagogische Trickkiste hergibt. Kapitulieren und den Hintern versohlen, das sind die einzigen zwei Alternativen, die ich nicht ausprobiert habe und die ich auch nicht anwenden werde. Aber was bleibt dann noch? So weiter machen wie zuvor? Immer weiter reden, reden, reden? Immer weiter hoffen, dass es bald besser wird? Immer weiter auf Augenhöhe mit einer Engelsgeduld versuchen, die einfachsten Dinge zu erläutern, die mein Kleinkind aber nicht verstehen will

Ich fühle mich als schlechte Mama für Pauline. Weil nichts mehr hilft, weil ich sie nicht mehr „gebändigt“ bekomme, weil ich keinen Zugang mehr zu ihr habe. Bei Christin läuft - noch - alles super. Sie ist ja noch klein und einfach. Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen sagt man ja. Und genau davor habe ich Angst. Wenn es jetzt schon so furchtbar schwer ist, wie soll das noch werden? Was wird sein, wenn Christin auch soweit ist und es ihrer Schwester gleich tun wird? Wie wird unsere Zukunft werden? 

Wenn Pauline schreit (und das ist die Hauptursache unserer Problematik hier), dann schreit sie nicht zwei Minuten, weil sie was erreichen will. Dann dreht sie durch: die schimpft, brüllt, schlägt, tritt und ist völlig außer sich. Und das nicht, weil irgendwas schlimmes passiert ist. Es sind Nichtigkeiten. Wie heute z.B. wieder: sie möchte sich ihren Pullover alleine anziehen. Kein Problem. Ich gebe ihr den Pulli, sie zieht ihn aber nicht an. Da ich Verständnis für das kindliche Trödelgen habe, gebe ich ihr Zeit. Aber es passiert nichts. Ich erinnere sie daran, sie ignoriert mich. Ich probiere es spielerisch, ich werde angemotzt und weggeschubst.  Dann frag ich, ob ich ihr nicht doch helfen soll - nein, sie will das alleine machen. Ich lasse sie in Ruhe und hoffe. Nichts passiert. Irgendwann muss aber etwas passieren. Irgendwann muss sie sich halt anziehen und da gibts leider auch keine Alternative. Dann beginnt aber das Drama wie oben beschrieben. Aus Trotz zieht sie sich nicht alleine an, weil sie damit genau das nicht macht was ich will (und das scheint offensichtlich am meisten Spaß zu machen) und sobald ich sie anziehen will, dreht sie durch. Jede Bitte, jedes Flehen, jede Drohung, jede Erpressung, jede Bestechung und jede Bestrafung verläuft dabei im Sande. Nichts geht mehr. 

Bei ihr geht nichts mehr und in mir steigt die Wut. Ich bin furchtbar wütend auf sie und gleichzeitig wütend auf mich, dass ich überhaupt wütend werde. Ein Teufelskreis. Und hier tritt dann dieses „Gute-Mutter-Ding“ ein, in meinem Kopf läuft eine Endlosscheife: „Du bist keine gute Mutter; du schaffst das alles nicht; das macht sie nur, weil dies mit dir machen kann; du hast alles falsch gemacht; du bist inkonsequent; du bist nachlässig; sie ist stärker als du; sie geht mir auf den Keks; ich halte das nicht mehr aus….“ 

Nein, aktuell bin ich es nicht und heute morgen, als es wieder eine ganze Stunde eskalierte, da wollte ich aufgeben. Da wollte ich abhauen, weg von allem und jedem. Einfach alleine sein, keinen sehen, mit niemanden reden. Auszeit für Mama. Den ganzen Vormittag verbrachte ich heulend mit einem Putzlappen in der Hand und dachte über diese Situation nach, in der wir hier stecken. Und dann las ich noch einen ziemlich passenden Artikel über den respektvollen Umgang mit Kindern. Es passte alles wie Arsch auf Eimer. Ich heulte also noch mehr und sah, dass ich das Problem bin. Ich zeigte ihr keinen Respekt, ich achtete nicht auf das Wesentliche. Ich ignorierte ihre Wünsche. Und weil ich, das Vorbild, alles vermeintlich falsch mache, agiert sie wie ich reagiere. Falsch.

Manchmal sieht man erst, wie schlimm es ist, wenn man ganz tief in der Scheiße sitzt. Ich sitze da unten im Scheiß und muss mich jetzt mühsam wieder rauswälzen und versuchen, die Fehler, die ich gemacht habe, wieder gerade zu biegen. Ich möchte hier gern wieder Freude anstatt Weinen haben, Lachen anstatt Schreien und Liebe anstatt Wut. Das erreiche ich nicht, wenn ich weglaufe oder kapituliere, sondern nur durch Kämpfen und Stärke. Also tue ich das, wozu ich mich am wenigsten fühle - aufstehen, Krönchen richten und weiter machen. Besser machen. Wieder eine gute Mutter werden, mit Vorbildfunktion, mit Charakter und mit viel Liebe. 

Vor allzu kurzer Zeit las ich folgenden Satz: „Wenn die Beziehung stabil ist, ist ein pädagogischer Fehler ungefähr genauso schädlich für Ihr Kind wie eine versalzene Suppe.“ (Regine Hauch)

Daran dachte ich heute wieder. Unsere Beziehung ist stabil, trotz allem. Sie liebt mich und ich liebe sie. Das zeigte sie mir heute wieder auf ihre Art und Weise. 

Also versuche ich diese ganze Sache als das zu sehen, was es ist. Eine versalzene Suppe. 

 

Und nächstes Mal koche ich mir weniger Salz.

Tags: me, I & myself

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