10.07.2013

Die Geburt, 3.Teil: Ich will zu meinem Kind!

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Fortsetzung von Teil 1 und Teil 2

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Auf der Neugeborenenstation angekommen empfingen mich direkt sehr nette Schwestern. Ich bekam ein Einzelzimmer, ich denke, man wollte mich nicht mit glücklichen Neu-Mamas mit Neugeborenen zusammenlegen. Man war sehr bemüht um micht, sehr freundlich und rücksichtsvoll.
Im Nachhinein kommt es mir wie eine Geschichte vor, die ich selbst nur durch das ständige Wiederholen und Erzählen kenne, aber nicht, weil ich es selbst erlebt habe. Ich verbrachte den restlichen Samstag und Sonntag auf dieser Station und wollte nur mein Baby endlich haben. Ich war nicht traurig - sondern leer. Trotzdem weinte ich viel, denn ich wusste, dass ich mein Kind erst spät sehen würde. Alle Bemühungen meines Mannes waren umsonst gewesen: Mein Baby würde vor Montag nicht zurück kommen. Wenn, dann müsste ich verlegt werden. Frühestens aber am Sonntag. Und keiner der Ärzte konnte mal wieder ein richtiges Argument dafür finden. D.h. 48 Stunden ohne mein Baby. Ohne sie jemals gesehen oder gespürt zu haben. Ich verfiel in eine Art Schock, immer nur die gleichen Bilder vor Kopf: Mein Kind weiß nicht, wer ich bin. Ich weiß nicht, wer sie ist. Ich habe keinen Bezug zu mir, sie wird mich nicht annehmen. Ich bin fremd, wir werden keine Bindung haben. Ich werde nicht stillen können. Alles ist dahin. Die ersten so wichtigen Stunden habe ich nicht, sie wurden mir genommen und niemand wird sie wieder zurückgeben können. Alles ist dahin. 
Dieser Pessimismus wurde nicht besser, ich verteufelte alles, fragte mich, warum es bei mir rund um Schwangerschaft und Geburt immer so verdammt falsch laufen musste. Ich wollte doch nur Kinder haben....
Trotzdem versuchte ich in hellen Momenten mich zu beruhigen: es könnte schlimmer sein. Wir leben. Mein Baby lebt. Darauf kommt es an. Das andere werden wir schon irgendwie wieder hinbekommen. Ich redete es mir immer wieder ein. 
Leider muss ich dabei auch zugeben, dass ich mich so einsam und verlassen gefühlt habe, dass ich die Fotos von meinem Baby nicht sehen wollte. Es schmerzte zu sehr, mir diese ansehen zu müssen. Ich fühlte nichts dabei, es hätte jedes Baby sein können. Ich sah viele Fotos von ihr, aber es waren nur Bilder, totes Material - ohne Wärme, Liebe oder Geborgenheit. Ich fühlte nichts, als ich sie sah. Und das tut mir im nachhinein sehr leid.

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Die Verlegung

Am Sonntag wurde ich dann in das andere Klinikum verlegt und das auch nur mit Glück, weil alles belegt war.  Man versprach meinem Mann, dass ich mit meinem Kind auf ein Zimmer kommen könnte. Im vorhinein war mir schon klar, dass das alles nichts werden würde. Ich kannte es von der Milchbienchen-Intensivstationzeit, dass immer irgendwas im Ärztehimmel dazwischen kommt und es immer und immer wieder irgendwie nach hinten gelegt wird. 
Ich wurde mit einem Retungswagen von zwei sehr gut aussehenden Sanitätern in die nächste Großstadt verlegt. Ich kam auf die normale Frauenstation, nicht auf die Wochenbettstation. Babys gab es dort nicht. Von meinem Zimmer bis zur Intensivstation waren es einige hundert Meter, das Klinikum ist riesig. Einmal quer durchs Krankenhaus um mein Kind zu sehen. Und das nach der OP, kaum in der Lage, mich hinzusetzen oder aufzustehen. Aber es musste sein. Augen zu und durch. 
Den ersten Weg auf die Intensivstation durfte ich dank meinem Mannes noch mit einem Rollstuhl machen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie die Anspannung in mir von Sekunde zu Sekunde stieg: schon, als ich mich in den Rollstuhl hinsetzte, stiegen mir die Tränen in die Augen. Ich werde gleich mein Kind sehen. Sie ist nur wenige Minuten und Meter von mir entfernt. Ich bin tatsächlich schon im selben Gebäude wie sie. Gleich ist es soweit. 
Während mein Mann mich schob, wurde ich immer nervöser und aufgebrachter. Im Fahrstuhl kullerten die ersten Tränen herunter. Oben angekommen, fing ich an zu zittern. Das Weinen konnte ich nicht mehr unterdrücken. Als wir die Intensivstation betraten und den langen Weg an all den Behandlungszimmern vorbei gingen, in denen diese winzigen Frühchen an all den Schläuchen lagen, konnte ich mich nicht mehr zusammenreißen. Natürlich war es das hinterletzte Zimmer, in dem mein Baby liegen sollte. Dieser lange Gang, ich kann gar nicht beschreiben, was ich empfand. Wir betraten den Raum, die Ärztin schaute uns an: "Ihre Tochter ist nicht mehr hier, sie wurde schon verlegt! Sie ist jetzt auf der Säuglingspflege." 
Toll, der ganze Weg umsonst. Wieder zurück, andere Station. Wieder die ganze Anspannung neu erleben. Wieder alles auf Anfang. 

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Die Säuglingspflege

 Zum Glück war die Säuglingspflegestation direkt angeschlossen und jetzt nicht meilenweit entfernt. Aber die Anspannung wuchs erneut. Schon wieder war es das allerletzte Zimmer. Wir betraten einen großen Raum mit 7 Bettchen und Inkubatoren. In welchem ist mein Kind? 
Mein Mann ging mit mir zu einem Inkubator, darin lag ein Baby. Nackig, nur mit Pampers, angeschlossen an Herzmonitor und Saugerstoffsättigung. Sie schlief nicht, hatte die Augen ganz weit auf. Große blaue Kulleraugen schauten mich an, eine Hand war im Mund. Sie hat rot-blonde Haare, süße Speckbeinchen und Pausbacken. Das ist mein Babymädchen. Ich konnte nur noch weinen, als ich sie sah. Ich war so erleichtert, alle Sorgen waren direkt weg. Da ist sie, sie ist mein Baby und alles ist noch einmal gut gegangen. Die Schwester nahm sie auf dem Inkubator, wickelte sie in eine Decke und übergab sie mir: "Ihr gehts gut, sie hat nichts. Aber sie war sehr unruhig die letzte Zeit" Natürlich war sie unruhig, sie war nicht bei mir. Wieso sollte sie seelig und ruhig in ihrem Bett liegen, wenn sie keiner kuschelte? 
Ich setzte mich, bekam sie auf den Arm und weinte sie erstmal voll. 
Endlich, meine wundervolle Tochter lag in meinen Armen, so groß, so weich und vor allem so unglaublich hübsch. Ich bewunderte sie, schaute mir jeden Quadratzentimeter genau an: Ihre klitzekleinen Hände mit den unglaublich langen Fingernägel. Die Speckibeine, ich könnte sofort reinbeißen. Die Füße - Babyfüße!!!! Der Mund, zum Küssen gemacht. Sie roch so gut. Süßlich, harmonisch, zum Verlieben. Ich kuschelte meine Nase in ihren Nacken, versuchte jede Sekunde einzuatmen, diesen Moment, der mir so lange verwehrt geblieben ist, mit jeder Pore aufzusaugen, niemals zu vergessen. Sie lag endlich in meinen Armen, wir waren endlich wieder zusammen. 
Sie war unruhig, quengelte. Ich sprach mit ihr, sofern es meine verweinte Stimme zuließ und sang ihr was vor. Sie hörte mir zu, kuschelte sich an meine Brust, wurde ganz ruhig und schlief ein. 

Sie wusste wer ich bin. Sie hat mich nicht vergessen. Alles ist gut. 

***
Fortsetzung folgt in Teil 4

 

Tags: being pregnant

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Kommentare

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Am 12.07.2013 12:29 Uhr schrieb Daniela Fiedler:
Hallo PepperLilly,

ich kann gut nachempfinden wie Deine Geburt war. Ich hatte ein ganz ähnliches Erlebnis. Ich war mit Zwillingen schwanger und habe in einem Moment noch Fernsehen geschaut, im nächsten habe ich nur noch geblutet und war dann innerhalb von 10 Minuten im Op - ebenfalls Notkaiserschnitt mit Vollnarkose. Danach lag ich ein paar Stunden auf Intensiv. Mein Sohn kam dann am nächsten Morgen zu mir als ich wieder auf die normale Station verlegt wurde, aber meine Tochter kam direkt weg in eine Kinderklinik. Sie konnte ich erst nach 5 Tagen besuchen und nach 7 Tagen kam sie erst zurück - obwohl sie eigentlich topfit war. Im Nachhinein bin ich natürlich überglücklich, dass ich zwei gesunde Kinder bekommen habe, aber es hat eine zeitlang gedauert bis eine richtig Beziehung aufbauen konnte, da die Geburt sozusagen komplett für mich ausgefallen war. Den Moment, den Du beschreibst wo Du mit dem Rollstuhl geschoben wirst und kurz davor bist Deine Tochter endlich zu sehen - da fange ich gleich wieder an zu weinen. Mir ging es ganz genauso. Mir liefen die Tränen nur so runter. Leider musste ich meine Tochter dann wieder verlassen, weil sie noch in der Klinik bleiben musste. Ich konnte nicht verlegt werden. Ich wünsche Euch alles Gute und dass Du die Ereignisse ganz schnell verarbeiten kannst!!!!!


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Overall core-runtime was '0.1963' seconds