07.07.2013

Die Geburt, 2. Teil: 2 Tage ohne mein Kind beginnen

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Fortsetzung von Teil 1
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Im Aufwachraum
Normalerweise erinnere ich mich, wenn ich aus der Vollnarkose erwache. Dieses langsame aufwachen, die fehlende Orientierung - das fehlt diesmal. Irgendwann war ich auf einmal wach, keine Ahnung wie das geschah. Ich hatte keine Gedanken, keine Empfindungen. Es standen Leute vor meinem Bett, ich weiß nicht, wer das war. Mein Mann stand links von mir uns hielt mich. Meine Erinnerungen daran sind sehr wage. Ich verstand nichts, wusste nicht, was passiert war. Soweit ich mich erinnere, fragte ich allerhand Zeugs. Immer wieder dasselbe: Was ist passiert? Wo ist mein Baby? Wo bin ich hier? Was ist mit mir?... 
Mein Mann beantwortete mir immer und immer wieder alle Fragen, mehrfach. Ich verstand es nicht so recht. So richtig weiß ich nur noch, dass er sagte, dass ich eine Uterusruptur hatte. Ich erinnere mich an dieses Gefühl in mir, als ich es gehört habe. Es ist also tatsächlich passiert. Das, was immer wieder als Risiko nach Zustand nach Sectio gesagt wurde. Beiläufig. Es ist passiert. Bei mir.

Ich war mehr als verwirrt, konnte meine Gedanken und Gefühle nicht ordnen. Eigentlich hatte ich gar keine Gefühle.

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Intensivstation 

Als man mir sagte, dass ich nun auf die Intensivstation käme, war ich geschockt. Intensivstation. Ich wollte doch nur ein Kind bekommen und lande auf der Intensivstation. Bei den Schwerstkranken. Ich. Das ist das, was ich bis heute noch nicht so ganz verdaut habe. Ich wurde dorthin gefahren, an alle möglichen Geräte angeschlossen. Am Ende hatte ich 3 Zugänge, einen Blasenkatheter, den PDA-Katheter, 2 Drainagen, Herzelektroden, Sauerstoffsättigung, Blutdruckmanschette, Sauerstoffmaske an meinen Körper. Ich war regungslos. Lag wie erschossen flach im Bett. Meine Schultern taten mir weh, sehr weh. Es zog und drückte, schnürte mir die Luft ab. Die Schmerzen waren widerlich. Ständig kam jemand und spritze mir irgendwelche Medikamente in die Venen, die Blutdruckmanschette ging alle paar Minuten an und folterte meinen Arm. Alles piepste und blinkte. Andere Patienten schrien in den anderen Zimmern. Aber auch hier: wieder keine Gefühle, keine Emotionen. Ich war leer. Mein Kind war weg. Das zweite Mal in meinem Leben passierte es mir, diesmal um Längen schlimmer. 
Ich erfuhr, dass es meinem Baby gut gehen soll. Dass sie beatmet wurde, sich sehr schnell berappelt hat und selbstständig atmen konnte. Sie war voll entwickelt, alles war da wo es hin gehörte. Man brachte Sie nur Beobachtung in die Kinderklinik, eigentlich sollte es nicht mehr notwendig sein. Aber sicher ist sicher. Lieber ein bisschen vorsichtig sein. Lange sollte sie nicht bleiben, dann käme sie zurück. Mein Mann erzählte mir dann noch, dass ich 1,5 Stunden operiert worden bin, man die Gebärmutter aber noch retten konnte. Ich bekam keine Bluttransfusion. Einen Tag sollte ich auf Intensiv liegen und dann auf die normale Station wechseln. 
Ich schickte meinen Mann zu unserem Baby. Sie war alleine. Ganz alleine. Irgendwo weit weg von Mama und Papa. Diese Vorstellung ist für mich mehr als grausam. Ein Baby gehört zu seinen Eltern, es soll kuscheln und die Wärme spüren, es soll geliebt werden. Nun liegt sie irgendwo in einem Inkubator, alleine. Ohne Liebe. Ohne Kuscheln. Das geht nicht. Mein Mann wartete auf meine Eltern, sie kamen mit dem Milchbienchen und sie durfte sogar ausnahmsweise mit auf die Intensivstation. Ich weiß nicht, warum man es zuließ, ich hätte meine Mama nicht so sehen wollen. Soweit meine Erinnerungen richtig sind, mein ich, dass das Milchbienchen wohl ganz bitterlich geweint hatte, weil sie nicht zu mir durfte und deswegen wurde die Ausnahme gemacht. Ich hörte nur irgendwann: "Mama ist noch ganz müde" und verstand die Worte nicht. Wieso sagte meine Mama das? Als ich meinen Kopf drehte war sie da: Mein Milchbienchen. Ich fing an zu weinen, streckte die Hand nach ihr aus. Mein Kind war da, ich darf sie sehen. Das half mir, ich fühlte mich kurzzeitig besser. Was wäre nur gewesen, wenn ich sie niemals wieder hätte sehen dürfen? Meine Mama weinte bitterlich und sagte nur: "Mach das nie wieder!" Nein, das mache ich nie wieder. Versprochen.

Meine Familie fuhr zur Kinderklinik. Ich war alleine. Im nachhinein verging die Zeit sehr schnell, ich schlief wohl immer wieder. Aber es kamen auch ständig irgendwer: Ärzte, Schwestern, Hebammen. Sie besuchten mich, sprachen mit mir und erklärten. Sie sahen alle sehr traurig aus, waren berührt. Sogar der Narkosearzt kam extra, obwohl er mit mir nichts mehr zu tun hatte: seine lockere, fröhliche Stimmung war dahin, er sprach ganz beruhigend und mitgenommen mit mir und sagte nur, dass alles unglaublich falsch gelaufen sei. Es tat ihm leid. Soviel Mitgefühl, von allen Seiten. Die sprachen tatsächlich von mir. Ich hab das zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht verstanden, was das alles bedeutete. Die Fakten wusste ich, aber so richtig verstand ich nicht, wie dramatisch es tatsächlich gewesen sein musste. Ich fühlte es durch den Ausdruck der anderen, aber ich fühlte mich selbst nicht davon eingenommen. Als ob über jemand anderes gesprochen wurde. 
So lang ich auf der Intensivstation und wartete auf meinen Mann. Er kam irgendwann aus der Kinderklinik, brachte mir Fotos von meinem Babymädchen und erzählte mir von ihr: wie schön sie sei, wie gut es ihr ginge, was für tolle Augen sie hat. Man macht sich keine Gedanken mehr über Ihren Gesundheitszustand, es ist alles ok, sie ist gesund und hat es gut überstanden. Zur Sicherheit werden einige Untersuchungen gemacht, aber wirklich nur zur Vorsicht. Morgen könnte sie wohl wieder zurück. Zu mir. Wo sie hingehört.

Die Bilder halfen mir nicht. Ich sah ein Baby, aufgedunsen und unscharf. Die Fotos sollten mir helfen, sie bewirkten nur das Gegenteil: sie machten mich noch trauriger. Ich will keine Fotos, sie helfen mir nicht, sie deprimieren. Das Kind sollte bei mir sein, auf meiner Brust liegen, mein Herz hören und meine Wärme spüren. So sollte es sein. Ich betrachtete die Bilder immer wieder um empfand nichts. Kein wohliges Gefühl, keine Freude, keine Liebe. Es war ein Baby auf diesem Foto. Aber ich hatte keinen Bezug. Ich weinte nur noch bitterlich. Ich weiß nicht, wer mein Baby ist. Viele Leute haben sie gesehen, sie angefasst, sie gefüttert. Viele Leute, nur nicht ich. Es war, als ob ich ein Stück meines Herzens abgegeben hätte. Am nächsten Tag sollte ich sie sehen dürfen. Sie sollte zurück kommen. Ich hoffte so sehr, dass es sich bewahrheitet. 

Wie ich die Nacht überstand, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich nur an die Schmerzen, vor allem oben im Schulter-/Brustbeinbereich, als ob eine Tonne Stahl darauf lagern würde. Die Schmerzmittel halfen wenig dagegen, die PDA wurde zum Glück aufgestockt und gab mir noch einige Stunden Schonfrist von den widerlichen Kaiserschnittschmerzen. Vor der Entlassung aus der Intensivstation wurde ich gewaschen und untersucht. Ich war soweit stabil, dass ich aufs normale Zimmer der Wochenbettstation durfte. 

***
....Fortsetzung folgt in Teil 3... 

Tags: being pregnant

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